Pilotprojekt

Pilotprojekt zur Fachkräftesicherung

Qualifikation von Verfahrensmechanikern für Kunststoff- und Kautschuktechnik innerhalb von 9 Monaten.

Die aktuelle Arbeitsmarktsituation und der Facharbeitermangel in unserem Kernberuf „Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik“ – verbunden mit den hohen Anforderungen unserer anspruchsvollen Kunden – führten dazu, dass wir uns Ende 2011 dazu entschlossen haben, zur kurzfristigen Gewinnung von qualifizierten Mitarbeitern auch neue Wege zu beschreiten.

Auf regionalen Ausbildungs- und Fachkräftemessen stellten wir fest, dass es durchaus motivierte Arbeitssuchende im fortgeschrittenen Alter gibt, die starkes Interesse am Unternehmen und dem zukunftssicheren Berufsbild zeigen; eine Einstellung dieser Bewerber ohne adäquate Berufsausbildung war jedoch nicht möglich, denn geballtes Fachwissen der Kunststoffverfahrenstechnik lässt sich nicht „nebenbei“ während einer herkömmlichen Einarbeitungsphase vermitteln und die teuren Produktionsmaschinen erlauben keine unqualifizierte Bedienung. Gleichzeitig ist es solchen Interessenten – die meistens familiäre und finanzielle Verpflichtungen haben – in der Regel nicht möglich, drei Jahre lang von einer Lehrlingsvergütung zu leben.

Jahrelange Erfahrung in der Dualen Berufsausbildung gab uns schließlich auch die fachliche Sicherheit, einen völlig neuen Weg der Mitarbeiterqualifikation beschreiten zu können: Die Idee für einen Vollzeit-Lehrgang, der insgesamt neun Monate dauern sollte und der das Ziel hatte, den Teilnehmern alle Ausbildungsinhalte der regulären 3-jährigen Lehrzeit zu vermitteln mit abschließender Prüfung vor der IHK, war geboren.

Von der Idee bis zum Unterrichtsbeginn vergingen rund drei Monate. Sechs Mitarbeiter mit einem Durchschnittsalter von 29 Jahren wurden eingestellt. Voraussetzung: die Kandidaten mussten eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem technischen Beruf nachweisen und eine überdurchschnittliche Lern- und Weiterbildungsbereitschaft mitbringen. Ein inhaltlich und zeitlich detailliert ausgearbeitetes Konzept für die Theorie- und Praxisblöcke wurde erstellt und ein geeigneter Bildungsträger wurde gefunden. Mitte März 2012 startete die Quali-Maßnahme – und zwar Inhouse im eigens für diesen Zweck eingerichteten Schulungsraum. Die kompakte Unterrichtsform, die Nähe zu Ausbildern, Vorgesetzten und künftigen Kollegen sowie die beginnende Identifikation mit dem Unternehmen und die in Aussicht gestellten beruflichen Perspektiven stellten sich als wesentlicher Erfolgsfaktor des Projektes heraus.

Der Fleiß und die Zielstrebigkeit der Teilnehmer sowie das Engagement, aber auch der Ehrgeiz der betrieblichen Betreuer und Dozenten führten zum Ziel – Ende Januar 2013 bestanden alle sechs Teilnehmer nach erfolgreicher theoretischer Prüfung auch den praktischen Teil der IHK-Abschlussprüfung und sind seit dem als Maschinenführer im Schichtbetrieb tätig. In den kommenden 3 Monaten müssen sie nun die noch fehlenden praktischen Erfahrungen sammeln, Routineabläufe verinnerlichen und sich ins Team integrieren.

Resumée:

Trotz des hohen Kosten- und Zeitaufwands sowie der Bindung von technischen und personellen Ressourcen während der praktischen Unterweisungen hat sich diese Aktion für HPT gelohnt: Motivierte Facharbeiter mit Verbundenheit zur Region und zum Unternehmen geben Planungssicherheit. Die frisch gebackenen Facharbeiter, die bereits während der gesamten Ausbildungszeit volle Lohnzahlung erhielten, bekommen nun Facharbeiterlohn. Ein relativ zukunftssicherer Arbeitsplatz gibt ihnen eine feste berufliche Perspektive – mit all den Entwicklungsmöglichkeiten, die HPT den Beschäftigten bietet.

Ein Ersatz für die Duale Berufsausbildung kann und darf dieser Weg allerdings nicht sein, jedoch schließen wir für unser Unternehmen nicht aus, einen solchen Lehrgang erneut durchzuführen, wenn das Wachstum des Unternehmens und die Arbeits- und Ausbildungsmarktsituation dies erfordern – denkbar wäre dies z. B. in einem zeitlichen Intervall von 3 – 5 Jahren.

Dieses Projekt zeigt eine sehr praxisorientierte Möglichkeit, z. B. Arbeitslose mit vorhandener Vorqualifikation passgenau auszubilden bzw. umzuschulen und direkt im Anschluss an die bestandene Prüfung ins Unternehmen zu integrieren – und davon können alle Beteiligten nur profitieren.

Wir sehen dieses Modell als Ergänzung der dualen Ausbildung zur punktgenauen Qualifizierung von motivierten Arbeitslosen im fortgeschrittenen Alter, um diesen eine neue Perspektive zu geben und als Beitrag, dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen. Unserer Meinung nach haben derartige Projekte angesichts ihres volkswirtschaftlichen Nutzens durchaus die finanzielle Unterstützung des Staates verdient.

Ansprechpartner

Nicole Habedank, Personalleiterin

Tel.: 03679 / 72 606-15 ● E-Mail: nh@hpt.info

Fernando Neuhöfer, Ausbildungsleiter

Tel.: 03679 / 72 606-828 ● E-Mail: fne@hpt.info